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Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung nutzen

Ungelesener BeitragVerfasst: 08.11.2018, 17:27
von Maik Thomaß

Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung nutzen


Schwerin - „Vom Flüchtling zur Fachkraft“: Über 200 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung haben sich am 7. November 2018 in Rostock über die Möglichkeiten der beruflichen Integration von Geflüchteten informiert. „Die berufliche Integration der in Mecklenburg-Vorpommern lebenden geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt ist eine große Herausforderung. Wenn wir uns vor Augen führen, dass wir in den kommenden Jahren in Mecklenburg-Vorpommern mit deutlichen Rückgängen beim Erwerbspersonenpotential zu rechnen haben, müssen wir schon heute alle Möglichkeiten zur Fachkräftegewinnung nutzen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe. Die Landesfachtagung wurde federführend durch das Wirtschafts- und Arbeitsministerium organisiert.



Gute Entwicklung der Wirtschaft sorgt für Fachkräftenachfrage

„Nicht nur bei Geflüchteten, sondern generell bei allen Personen mit Migrationshintergrund konnten Fortschritte bei der Integration in den Arbeitsmarkt in den vergangenen zwei Jahren erreicht werden. Hierbei spielt insbesondere die gute wirtschaftliche Situation eine entscheidende Rolle. Die Arbeitslosenzahl und die Arbeitslosenquote erreichten die niedrigsten Werte seit der Wiedervereinigung. Die große Nachfrage nach Arbeitskräften kommt uns zu Gute“, so Glawe weiter. So waren im März 2018 – das ist der aktuelle Wert – rund 1.500 Personen aus den Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt (ohne Tätigkeiten als Auszubildende).Gegenüber März 2017 erfolgte ein Anstieg um etwa 600 Beschäftigte (+64,8 Prozent). Das Institut für Arbeits- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit hat jüngst ermittelt, dass wir derzeit so wenig Arbeitslose pro offener Stelle haben wie nie in den vergangenen 25 Jahren. Ein Potential stellen deshalb hierfür auch die rund 7.300 Personen dar, die als Geflüchtete zu uns gekommen sind.


Sprachliche Hürden und kulturelle Unterschiede angehen

„Für beide Seiten, Arbeitgeber und Geflüchtete, ist es oft nicht einfach: Sprachliche Hürden bestehen und kulturelle Unterschiede treffen aufeinander. Beide Seiten müssen Offenheit, Engagement und Mut zeigen und bereit sein, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen. Entscheidend ist es, Zugewanderte beim Einstieg in das Berufsleben zu unterstützen. Dabei geht es auch darum, Geflüchtete auf die Arbeitswelt gut vorzubereiten und die Kollegen in diesem Prozess mitzunehmen“, forderte Glawe.Die Vermittlung der Sprachkenntnisse im In- oder Ausland hat eine zentrale Bedeutung. „Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Nationen, die zum Beispiel aus demografischen Gründen wie Japan auch dringend Fachkräfte im pflegerischen Bereich benötigen. Das sollte auch bei der Ausgestaltung der Regelungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes beachtet werden. Die Bundesregierung hat mit ihren Eckpunkten von Anfang Oktober deutliche Signale gesetzt. Jetzt gilt es, so schnell wie möglich in die Umsetzung zu kommen", forderte Glawe.


Auszubildende sind Fachkräfte von morgen

Wirtschaftsminister Glawe ging auch auf das Thema Ausbildung ein. „Mit der Ausbildung können die Fachkräfte von morgen gewonnen werden. Wir sollten alle Anstrengungen unternehmen, dass junge Menschen eine qualifizierte Ausbildung hier in Deutschland erhalten. Entscheidend ist es auch, seinen potentiellen Auszubildenden frühzeitig kennenzulernen. Hier gibt es die Möglichkeit eines geförderten Langzeitpraktikums. Das ist eine gute Gelegenheit für beide Seiten, sich im Berufsalltag aufeinander einzustellen und eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Arbeitsminister Harry Glawe abschließend.Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres haben 152 Personen im Kontext Fluchtmigration eine Ausbildung begonnen, 32 mehr (+26,7 Prozent) als im Vorjahr. (2016/2017: 120). Fast die Hälfte hat eine Ausbildung im HoGa-Bereich (18), in der Maschinen-/Fahrzeugtechnik (15), in Mechatronik-/Energie-/Elektroberufen (12), in medizinischen Gesundheitsberufen (10), in Verkaufsberufen (9) oder in der Lebensmittelherstellung/-verarbeitung (8) angefangen. Fast 60 Prozent der Bewerber hatten einen Real- oder Hauptschulabschluss (59,2 Prozent).




Unterstützungsmöglichkeiten für die berufliche Integration in den Arbeitsmarkt

22 Joblotsen helfen bei der Jobsuche
Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit und die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit haben eine Vereinbarung zur Beschleunigung und Verbesserung der beruflichen Integration von Migranten geschlossen. Vereinbart wurde die Unterstützung der Jobcenter durch die Finanzierung von 22 Joblotsen durch das Wirtschaftsministerium. Aufgabe der Joblotsen ist die individuelle Unterstützung der Geflüchteten bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, aber auch nach einem Praktikum oder Ausbildungsplatz bzw. einer Einstiegsqualifizierung.
Ebenfalls leisten sie Unterstützung bei der erfolgreichen betrieblichen Integration von geflüchteten Menschen sowie Begleitung der geflüchteten Menschen, wie beispielsweise zu Ausländerbehörden, Jugend- und Schulämtern. Die Joblotsen werden vom Wirtschafts- und Arbeitsministerium für die Dauer von zwei Jahren mit rund 2,7 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt.


Koordinierte Unterstützung vor Ort

Darüber hinaus wurden „Koordinatoren zur beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten“ im Rahmen einer Projektgruppe des Wirtschaftsministeriums eingesetzt. Ein Landeskoordinator und vier Regionalkoordinatoren kümmern sich um die berufliche Integration von Migranten an den Standorten Schwerin, Rostock, Neubrandenburg und Stralsund. Die Koordinierung bezieht Arbeitgeber und Arbeitgebervertreter ein und fördert die Transparenz der regionalen Angebote beruflicher Integration.Weiterhin stehen die Koordinatoren Arbeitgebern und anderen Akteuren im Bereich der Integrationsarbeit als Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Arbeitsaufnahme zur Verfügung. Gleichfalls bieten die Koordinatoren für Schutzsuchende offene Gesprächsrunden „Talk the Job“ an, um sie bei dem Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.


Integrationsfachdienste Migration (IFDM)

Durch das Wirtschaftsministerium werden darüber hinaus drei Integrationsfachdienste Migration (IFDM) gefördert. Diese beraten, begleiten und unterstützen flächendeckend an rund dreißig Standorten im Land erwachsene Migranten individuell zu Fragen beruflicher Integration. Dies reicht von einer individuellen Kompetenzfeststellung, über Beratung bezüglich der nächsten Integrationsschritte (Sprachförderung, Maßnahmen bei Trägern, Integrationsprojekte, Praktika) bis hin zur Einarbeitungsbegleitung.Über die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanzierte Richtlinie zur „Förderung von Integrationsprojekten“ werden Projekte unterstützt, die arbeitslose Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam an den Arbeitsmarkt heranführen und eine Arbeitsaufnahme erleichtern sollen. Das Wirtschafts- und Arbeitsministerium unterstützt die IFDM aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) in Höhe von insgesamt rund 2,2 Millionen Euro für die Jahre 2016 bis 2018.


Gewinnung von Fachkräften im Bereich Medizin und Pflege

Einen besonderen Stellenwert für die Gewinnung von Fachkräften im Bereich Medizin und Pflege für das Land Mecklenburg Vorpommern hat das Projekt „Health and Care Office“ (HCO). Das HCO hilft zugewanderten Ärzten, Apothekern, Pflegekräften und weiteren Gesundheitsberuflern dabei, die notwendigen Voraussetzungen für ihre berufliche Anerkennung zu erfüllen. Mit Unterstützung der Krankenhausgesellschaft, der berufsständischen Kammern und anderen Akteuren wird eine Beschäftigung dieser Fachkräfte in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, medizinischen Versorgungszentren, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie Praxen vornehmlich in Mecklenburg-Vorpommern angestrebt. Mit dem HCO gibt es damit eine zentrale Anlaufstelle in Mecklenburg-Vorpommern für Personen aus Gesundheitsberufen mit Migrationshintergrund und für Einrichtungen des Gesundheitswesens.