Fälle von CEO Fraud nehmen zu

Fälle von CEO Fraud nehmen zu

Ungelesener Beitragvon Maik Thomaß » 31.07.2017, 15:31

Fälle von CEO Fraud nehmen zu


Rampe (ots) - Der sogenannte Geschäftsführerschwindel, auch bekannt als "CEO Fraud", "digitaler Enkeltrick" oder "Business Email Compromise", ist eine weltweite, speziell gegen Unternehmen gerichtete Betrugsmasche, die auch in Mecklenburg-Vorpommern aktuell vermehrt auftritt.



Bei der klassischen Form des Geschäftsführerschwindels verschaffen sich die Betrüger zunächst aus illegalen, aber auch legalen Quellen Informationen über die Struktur und Geschäftsabläufe sowie über die Mitarbeiter im Zielunternehmen. Auch die gezielte Auswertung sozialer Medien ist Bestandteil dieser Informationsbeschaffung. In der Folge treten die Täter bei Abwesenheit der Geschäftsführung an Mitarbeiter mit Zeichnungsberechtigung heran. Dazu verwenden sie geringfügig geänderte Email-Absenderadressen, um vorzutäuschen, dass es sich bei dem Absender der Nachricht um den Geschäftsführer des betroffenen Unternehmens handelt. In der angeblich streng vertraulichen Email werden dann zum Beispiel Informationen im Zusammenhang mit einem vermeintlichen Eintritt des Unternehmens in neue Marktsegmente vorgegaukelt. Um die Ernsthaftigkeit der Informationen zu untermauern, wird die beschriebene Vorgehensweise als mit der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) vereinbart dargestellt. Im Weiteren wird um Verschwiegenheit gebeten. Lediglich der Kontakt mit einer Anwaltskanzlei sei telefonisch und elektronisch erlaubt.

Durch das Auftreten als vermeintlicher Geschäftsführer wird erheblicher Druck auf den Mitarbeiter ausgeübt. Da die Betrüger wissen, wer mit wem und in welcher Form im Unternehmen kommuniziert, wirkt die Kontaktaufnahme authentisch. Weiterhin erscheinen die angebliche Übernahme eines anderen Unternehmens, eine Investition im Ausland oder die Änderung von Kontoverbindungen im Zusammenhang mit der zuvor ausspionierten, tatsächlichen Unternehmenssituation plausibel. Die Mitarbeiter werden angewiesen, die gewünschten Summen an die angegebene Kontonummer, u. U. in Abstimmung mit der erwähnten Anwaltskanzlei, zu veranlassen, um die betreffende Investition (z.B. Einkauf in ein Unternehmen) schnellstmöglich vornehmen zu können.
Angesichts des enormen Schadenspotenzials dieser Betrugsmasche hat das LKA M-V bereits im September 2015 darüber informiert.

Erste Fälle von betroffenen Firmen in Mecklenburg-Vorpommern sind hier im Jahr 2016 bekannt geworden.

Neben der beschriebenen klassischen Variante des Geschäftsführerschwindels, die mit hohen Zahlungsaufforderungen aufgrund von angeblichen Firmenübernahmen o. Ä. einhergeht, sind die Täter zwischenzeitlich dazu übergegangen, frei erfundene Rechnungen mit geringeren Beträgen, häufig unterhalb der 10.000-Euro-Grenze, per Email zu versenden. Diese Emails erwecken durch sogenanntes "Email-Spoofing" den Anschein, dass sie vom Geschäftsführer der eigenen Firma stammen. Der vermeintliche Geschäftsführer fordert den Mitarbeiter der Buchhaltung darin auf, einen bestimmten Betrag auf das Konto des angeblichen Geschäftspartners zu überweisen.

Gegenwärtig ist erneut eine Modifizierung in der Begehungsweise der Täter festzustellen. Hier schreibt der vermeintliche Geschäftsführer die Buchhaltung mittels "gespoofter" Emailadresse über sein Mobilfunkgerät an und erfragt, ob heute noch eine Überweisung ins Ausland getätigt werden könne. Dies geschieht in einem relativ schlechten Deutsch, die geforderten Beträge bewegen sich zwischen 30.000 und 50.000,- Euro und als Verwendungszweck werden für die Firma übliche Ausgaben angegeben, so dass es im Tagesgeschäft wenig auffällt.
Redaktion Maik Thomaß

Benutzeravatar
Maik Thomaß
Administrator
 
Beiträge: 24885
Registriert: 12.04.2016, 13:03
Wohnort: Rostock

Zurück zu LKA Juli 2017

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron