Mein Lieblingsmix–NDR1Radio MV vorbei am Geschmack der Hörer

Mein Lieblingsmix–NDR1Radio MV vorbei am Geschmack der Hörer

Ungelesener Beitragvon Maik Thomaß » 12.04.2016, 16:46

Mein Lieblingsmix – NDR1 Radio MV vorbei am Geschmack der Hörer

Mit "Mein Lieblingsmix..." und "Ihr Lieblingsmix..." versucht uns seit Jahren "NDR 1 Radio MV" in Mecklenburg-Vorpommern die Musik zu verkaufen, die die Hörer am liebsten hören. Darüber entbrannte Anfang diesen Jahres eine hitzige Diskussion im "Rostocker Blitz". Von viel zu viel "englischsprachigem Gedudel" und "zu wenig deutschem Schlager" war die Rede.

Nun, eine Plattform hatte sich im "Rostocker Blitz" gefunden, nur ist diese Plattform regional begrenzt und erreicht die Programmverantwortlichen nicht wirklich. Mit Versprechungen wie "mehr deutsche Musik" versucht NDR 1 Radio MV hierzulande die Zuhörer zu binden, wenn nicht gar zu ködern.

Schauen wir uns doch einmal die Liste der Titel an, die am 1. Februar 2016 in der Zeit von 15 bis 16 Uhr gespielt wurde:

14:56 MAX WERNER - RAIN IN MAY
14:53 ACE OF BASE - ALL THAT SHE WANTS
14:49 SUNRISE AVENUE - LIFESAVER
14:47 BILLY SWAN - I CAN HELP
14:40 JOACHIM WITT - GOLDENER REITER
14:35 QUEENSBERRY - HELLO (TURN YOUR RADIO ON)
14:32 CLIFF RICHARD - POWER TO ALL OUR FRIENDS
14:25 KAOMA - LAMBADA
14:21 SCRIPT - SUPERHEROES
14:15 WET WET WET - LOVE IS ALL AROUND

Von 10 gespielten Titeln schaffte es der Musikredakteur gerade mal einen einzigen deutschsprachigen Titel zu wählen. Welche deutschsprachigen Lieder werden eigentlich gespielt, oder besser welche Interpreten? Wer längere Zeit bei NDR 1 Radio MV rein hört, wird viele bekannte Künstler hören, beispielsweise Nena, Herbert Grönemeyer, Peter Maffay und sogar Unheilig.

Was ist aber mit dem guten alten und modernen Schlager? Der scheint im Programm von NDR 1 Radio MV nichts mehr verloren zu haben. Die erste Umstellung in Punkto Musik gab es bereits Anfang der 2000er. Als Dörte Graner von NDR 2 zu NDR 1 wechselte, gab es den rasanten Abstieg in der Musikauswahl und den Ausstieg vom Schlager. Mehr aktuelle Musik verspricht uns NDR 1 Radio MV. Aber brauchen wir noch ein Antenne MV oder eine weitere Ostseewelle?

Mecklenburg-Vorpommern ist das Land mit der geringsten Musikvielfalt im Radio. Ich spreche da nicht vom Kabelnetz oder vom Internetradio und auch nicht vom Satellitenempfang. Nein, wenn ich im Auto unterwegs bin, bin ich auf terristrische Senderangebote angewiesen. Regional gibt es hierzulande nur NDR 1 Radio MV, Antenne MV und Ostseewelle. Alle drei unterscheiden sich kaum, weder bei der Musikauswahl, noch bei der Moderation. Man könnte das Gefühl bekommen, alle Sender im Land würden sich gegenseitig hochpuschen, aber eher auf Kosten der Hörer.

Wer in der Stadt wohnt, kann zur Not auf Internetradio oder das Angebot im Kabelnetz zurückgreifen. Aber ich gehe auch von den zahlreichen Pendlern aus, die tagtäglich auf unseren Straßen unterwegs sind und sich das Radioprogramm nicht einfach so aussuchen können, wie sie es zuhause schaffen. Auf Bürgerproteste im letzten Jahr reagierte der NDR nicht wirklich.

Erreicht der NDR wirklich jeden Bürger in Mecklenburg-Vorpommern? Nein. Nicht nur die ältere Generation, die mit Schlager groß geworden ist, sondern auch der ländliche Bereich, wo selbst die Jüngeren mit Schlager groß werden und wurden, werden nicht erreicht. Aber das ist NDR 1 Radio MV egal. Sie ziehen ihr Ding durch, und das nur, um gute Einschaltquoten zu erreichen. Dabei hat der NDR, laut Rundfunkstaatsvertrag seine Daseinsberechtigung.

Aber auch der Rundfunkstaatsvertrag schreibt vor, dass Programminhalte angeboten werden sollen, die von den kommerziellen Radioprogrammen nicht angeboten werden. Nun haben wir hierzulande Ostseewelle und Antenne MV als kommerzielle Radiosender. Beide bringen 80er, 90er und das aktuelle aus den Charts. Genau das selbe bringt NDR 1 Radio MV. Ist es dann nicht eine Verletzung des Rundfunkstaatsvertrages und nicht gar ein Unding, sich über diesen hinweg zu setzen?

Meiner Meinung nach, hat NDR 1 Radio MV mit der musikalischen Programmauswahl gänzlich gegen den Rundfunkstaatsvertrag verstoßen und müsste als Konsequenz eine neue Daseinsberechtigung erwirken. Aber da ja hier auf Kosten des Rundfunkgebührenzahlers lustig und munter weitergesendet und teilweise auch verschwendet wird, hat sich der NDR gedacht, "um die Gemüter zu beruhigen, starten wir Mitte 2016 ein neues Schlagerradio".

Neues Schlagerradio? Hört sich gut an. Laut "radio.de" sei es geplant, zwei digitale Radioprogramme des NDR einzustellen und diese mit dem "neuen Schlagerradio des NDR" zu ersetzen. Die Rechnung ist einfach. Zwei Sender weg, einen neuen hin, das spart Personalkosten und man gewinnt neue Hörer. Aber einen Harken hat die Sache:

Der neue Sender soll ins digitale Radionetz eingespeist werden. Das bringt mich gleich wieder zu denen, die es hören können und denen, die erneut ausgeschlossen werden. Wer hat denn heute schon alles ein Digitalradio zuhause? Ich gebe offen und ehrlich zu, ich habe kein einziges Digitalradio. Okay, kleine Korrektur. Mein Fernseher hat die Möglichkeit, digitale Rundfunkprogramme zu empfangen. Das ist doch super. Ich schalte täglich den Fernseher ein, nur um Radio zu hören.

Aber was ist mit den zahlreichen Menschen, die vielleicht noch ein nicht-digitalfähiges Radio im Auto oder zu Hause haben? An diese Menschen wird nicht gedacht. Diese Menschen bleiben auch weiterhin den Programmkapriolen des Norddeutschen Rundfunks ausgesetzt und müssen sich wohl oder übel "englischsprachige Gedudel" anhören. "Der NDR – Das beste am Norden" hat schon lange ausgedient. Der Slogan sollte dringend mal überarbeitet werden. Oder der NDR versucht, mehr auf seine Hörerinnen und Hörer zu hören, denn letztlich sind die es, die das Unternehmen finanzieren und für eine solche Leistung erwarte auch ich als Gebührenzahler eine entsprechende Gegenleistung, die auch meinen Geschmack trifft und mit nichts aufzwingt, was ich und viele andere Zuhörer nicht mehr hören wollen.

Text: Maik Thomaß
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