Armes Mädchen, böser Busfahrer?

Armes Mädchen, böser Busfahrer?

Ungelesener Beitragvon Maik Thomaß » 12.04.2016, 17:26

Armes Mädchen, böser Busfahrer?

Bezugnehmend auf den Artikel, siehe unten, "13-jähriges Mädchen zweimal von Busfahrer stehen gelassen" ein Kommentar.

Zweigeteilt zeigte sich die Reaktion auf den oben genannten Artikel vom Freitag. Allen Reaktionen geht eines voran, die Unwissenheit, was wirklich passierte. Wir wissen, es war am Dienstagabend. Und wir wissen auch, es passierte in Bentwisch. Wer sich mit der Materie etwas näher beschäftigt und recherchiert fragt sich, wo in Bentwisch, besser an welcher Haltestelle ist es das "arme 13-jährige Mädchen" vom "bösen Busfahrer" zweimal stehengelassen worden. Da türmt sich noch eine Frage auf. War es ein Busfahrer oder waren es zwei verschiedene Busfahrer?

Die Informationen sind sehr dürftig. Fakt ist, am Dienstagabend wurde ein 13-jähriges Mädchen in Bentwisch vom Busfahrer nicht mitgenommen, weil es keine 1,20 Euro für eine Fahrkarte hatte. Böse, böse mag man jetzt denken, aber in den Beförderungsbedingungen des Verkehrsverbundes Warnow (VVW) steht klar beschrieben, wie, wo, wann, wie lange und wie viele Fahrkarten jemand besitzen darf, ob er mitgenommen wird oder nicht. Ganz klar die Aussage: "In den Bussen und Straßenbahnen der RSAG werden an Automaten Einzelfahr-, Tages- und Gruppen-Tageskarten verkauft. "[...].

In den Allgemeinen Beförderungsbedingungen des VVW seht klar geschrieben: "§ 3 Von der Beförderung ausgeschlossene Personen Absatz 3 (3) Über den Ausschluss von der Beförderung entscheidet das Personal. " Somit handelte der/die Busfahrer genau richtig. Bestärkt wird dies auch durch den Fahrgastverband Pro Bahn. Nun kann man sich aber sagen, kann man nicht eine Ausnahme machen? Über Ausnahmen entscheidet nicht der Fahrer. Es gibt, wie in den Allgemeinen Beförderungsbedingungen beschrieben, klare Regelungen, an die sich jeder halten muss, sonst wäre die Willkür bei der Beförderung geboren.

Kommen wir noch einmal zurück zum Ort des Geschehens. Unklar ist, um welche Haltestelle es sich handelt. Es gibt insgesamt vier Haltestellen in Bentwisch. Zwei verschiedene Buslinien bedienen diese, zum einen die Linie 118 und zum anderen die Linie 112. Die Linie 118 verkehrt ab der Haltestelle Hansecenter Bentwisch, abends im Stundentakt. Hier bestünde die Möglichkeit, zweimal nacheinander auf den selben Busfahrer zu treffen, denn die Fahrzeit zum Dierkower Kreuz beträgt gerade einmal 8 Minuten. Sprich nach rechnerischen 16 Minuten wäre der Bus zurück. An der zweiten Möglichkeit, direkt in Bentwisch, wo sich Bus und Bahn treffen, wäre ebenfalls eine Möglichkeit gewesen, einzusteigen. Hier würde Fall zwei: nicht der selbe Fahrer, eintreten.

In letzterem Falle würden zwei verschiedene Busfahrer die selbe Entscheidung treffen. Gehen wir nun einen spekulativen Schritt weiter. Was macht ein 13-jähriges Mädchen alleine im Dunkeln in Bentwisch. Nehmen wir an, sie war einkaufen. Spinnen wir weiter. Sie wird, wenn sie einkaufen war, nicht im Besitz einer EC-Karte oder gar im Besitz einer Kreditkarte gewesen sein. Das lässt den Schluss zu, dass sie im Besitz von Bargeld gewesen ist. Sie muss ja auch irgendwie und irgen wann von Rostock nach Bentwisch gekommen sein. Mit 13 Jahren sollte man, im Normalfall natürlich, bereits in der siebenten Klasse der Schule sein und wenigstens mathematisch soweit auf dem Laufenden sein, dass man, wenn für die Hinfahrt Geld notwendig war, dies auch für die Rückfahrt gilt und man soviel Geld übrig haben sollte, dass man sich ein Rückfahrticket kaufen kann.

Was wir aus den dürftigen Informationen ebenfalls nicht wissen, wie war die Kommunikation zwischen Busfahrer und Fahrgast? Ruhig und gelassen, oder aufbrausend und hochschaukelnd? Im letzteren Fall könnte ich verstehen, dass der Busfahrer eine Kulanz nicht hat gelten lassen.

Zum Schluss fordert der Kinderschutzbund MV auch noch eine bessere Schulung von Fahrerinnen und Fahrern. Was soll hier geschult werden? Der Umgang mit Fahrgästen wird in der Ausbildung genauso behandelt, wie das Verhalten in Gefahrensituationen. Nehmen wir jetzt mal die Forderung des Kinderschutzbundes ins Visier. Demnach müssten alle Fahrerinnen und Fahrer zur Nachschulung. Wie soll das bitte gehen? Wer soll das bezahlen und die wichtigste Frage: Warum?

Klar ist es ärgerlich, wenn das Kind, vielleicht verheult und fertig, nach Hause kommt und letztlich die beschützende Mutter dann den Zeigefinger auf die bösen Busfahrer richtet. Aber meine Frage diesbezüglich ist, warum lässt die Mutter ihr Kind alleine einkaufen und warum gibt sie ihrer Tochter nicht genügend Kleingeld für einen Fahrausweis mit, beziehungsweise um dem vorzubeugen, warum kauft sie nicht schon im Vorfeld die entsprechenden Fahrausweise?

Mag sein, dass die Lager wer Schuld hat und wer im Recht ist, hier weit auseinander klaffen. Aber es gibt Regelungen, an die sich jeder halten sollte und muss, sonst herrscht demnächst das Chaos. Vielleicht ist auch hier bei den Informationen einiges weggelassen worden oder wurde gar verdreht, damit es dann wirklich zur Wut auf die bösen Busfahrer kommt. Aber das arme Mädchen scheint auf dem ersten Blick nichts falsch gemacht zu haben. Oder doch?

Wer sich die Allgemeinen Beförderungsbedingungen noch einmal durchlesen möchte, kann dies hier tun: Allgemeinen Beförderungsbedingungen des VVW

Text: Maik Thomaß,
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