Alles neu oder doch eher frisch aufgewärmt?

Alles neu oder doch eher frisch aufgewärmt?

Ungelesener Beitragvon Maik Thomaß » 04.06.2017, 17:19

Alles neu oder doch eher frisch aufgewärmt?


Seit Wochen (Jahren) versucht uns die Rostocker Straßenbahn AG mit sogenannten Neuerungen auf ihre technischen Möglichkeiten hinzuweisen. Aber was ist wirklich neu und was einfach nur "aufgewärmt". Ich habe mir drei der Neuerungen der letzten drei Jahre angeschaut und muss sagen, dass nichts von dem, was uns hier als neu verkauft wird, wirklich neu ist.



Sehen wir uns als erstes die Neuerung bei den Niederflurstraßenbahnen an. Die neuen Niederflurbahnen vom Typ "6N2" wurden uns seinerzeit, im Juli 2017, mit der technischen Neuerung präsentiert, dass an den Haltestellen nun, dank der Außenlautsprecher, auch für Sehbehinderte eine Ansage ertönt. Klar zu dieser Zeit war die Außenansage eine Neuerung, jedoch die Technik der Außenlautsprecher war keinesfalls neu, wie uns hier versucht wurde weiszumachen.

Im Klartext heißt das, Außenlautsprecher gab es schon bei den Niederflurstraßenbahnen vom Typ "6NGTWDE", die seit 1994 ihre Runden durch Rostock drehen. Das IBIS-Steuergerät MAS 3 steuerte neben den Fahrzeuginnen- und -außenanzeigen auch die digitale Haltestellenansage, die induktive Weichensteuerung, die Entwerter, das Fahrgastzählsystem, den Sprechfunk und die Außenlautsprecher. Diese wurden jedoch vom Fahrer nur für Durchsagen genutzt und wurden erst mit der neuen Niederflurstraßenbahn auch für die Ansage der Fahrziele genutzt. Somit wäre die erste "Neuerung" aus dem Weg geräumt.

Neuerung Nummer 2: Der blaue Taster: Mit dessen Betätigung können mobilitätseingeschränkte Fahrgäste ohne Zeitdruck sicher ein- und austeigen, so die Rostocker Straßenbahn AG. Jedoch ist dieser Taster nicht neu, sondern wurde auch schon in allen Fahrzeugen von Niederflurbussen bis zur Tatrabahn (siehe Foto) eingesetzt. Dieser Taster signalisiert den Fahrer nichts weiter, als die Blockade der automatischen Türschließung. Diese Funktion verhindert das automatische Schließen der Tür und ermöglicht es Menschen mit Behinderungen, beispielsweise Rollstuhlfahrern, Menschen mit Gehilfe oder Menschen mit Kinderwagen in Ruhe ein- und auszusteigen. Dieser Taster ist nicht neu, wurde nur neu in Szene gesetzt.

Dritte und letzte Neuerung: Halten auf Wunsch! Auch hier versucht uns die Rostocker Straßenbahn AG ein längst seit Jahren genutztes Format als Neuerung zu verkaufen. Neu ist, dass ab 20 Uhr das Halten auf Wunsch in den Bussen der RSAG möglich ist, sofern es die Straßenverkehrsordnung zulässt. Neu daran ist nur die Uhrzeit ab 20 Uhr. Mit der Einführung der Nachtbuslinien F1 und F2 wurde das Halten auf Wunsch eingeführt. Hier galt es ebenfalls, sofern es die Straßenverkehrsordnung zulässt, hält der Fahrer, zur Sicherheit der Fahrgäste, auch zwischen den Haltestellen.

Was uns hier also als Neu verkauft wird, ist in Wahrheit schon seit Jahren möglich oder wird seit vielen Jahren auch genutzt, sofern es dann auch verfügbar gemacht wurde. So sind das Halten auf Wunsch und der Blaue Taster weder eine Neuerung noch etwas, was jetzt neu aufgewärmt werden musste. Was die Außenansagen angeht, da hätte die RSAG auch schon seit 1994 mit der Einführung der digitalen Innanansagen in den Straßenbahnen diese Form der Fahrgastinformation nutzen können.
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