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Erster ungelesener Beitrag Erinnert ihr euch noch... an die 90er


Erinnert ihr euch noch... an die 90er



In letzter Zeit frage ich mich, in was für einer Welt wir eigentlich leben und was sie uns bringt.

Aus meiner Sicht viel Schlechtes und wenig Gutes. Täglicher Stress, Überreizung durch mediale Einflüsse, Lärm, immer und ständig online, "Ich muss immer besser und wichtiger sein, als all die anderen "Loser", "Ich muss mich präsentieren, sonst finde ich mich nicht mehr interessant und meine Follower schon gar nicht".

Wer in den 90er Jahren aufgewachsen ist, wird sich noch an viele Dinge erinnern, die für die heutige Jugend klingen, als wären es Märchen.



So würde dann den jungen Menschen eine Geschichte erzählen, die anfängt mit:

Es war einmal, eine Zeit, in der es Smartphones, Tablets, Iphones, Pay-TV, Youtube, Bloggen, Instagram, Follower, Likes und vieles mehr nicht gab.

Zu jener Zeit gab es schon Telefone. Diese waren jedoch, nicht wie heute, zum Mitnehmen und endlosen telefonieren, sondern hatten einen festen Standort und es wurde noch zu günstigen Tarifen telefoniert. Noch etwas früher, ganz am Anfang der 90er Jahre, ich weiß es ist dreißig Jahre her, standen in vielen Stadtteilen solche gelben Boxen. Alle hatten eines gemeinsam: Ein Telefon. Die meisten wurden mit Münzen gefüttert, die wenigsten funktionierten mit Karte. Und wenn wir telefonieren wollten, gingen wir bei Wind und Wetter zu den gelben Boxen und führten Gespräche.

Dies war vorbei, als der Telefonanschluss dann in jedem Haushalt verfügbar war. Nun mietete man sich bei der Telefongesellschaft, damals noch Deutsche Post, ein Telefon und konnte, ohne das Haus zu verlassen, telefonieren, jedoch meist dann, wenn die Tarife günstig waren, meist nach 18 Uhr oder am Wochenende. Ende der 90er Jahre gewann zwar das Mobiltelefon zwar an Bedeutung, jedoch mit einer Grundgebühr von monatlich 75 Mark und einem Netz, das meist in größeren Städten abgedeckt war, war die Attraktivität noch sehr gering.

Ein schönes Beispiel das Fernsehen. Wer hätte gedacht, das es zur damaligen Zeit ganze 6 Fehrnsehprogramme gab, jedenfalls anfang dieser 90er Jahre. Da gab es am Sonnabend zur besten Sendezeit (20:15 Uhr) tatsächlich die Frage was schauen wir? Mindestens zwei bis drei gute Filme/Sendungen liefen, zwischen denen man sich entscheiden musste. Ein Glückspilz war der, der einen Videorekorder hatte. Dann war die Entscheidung etwas einfacher. Heute: über 70 Programme im Digitalbereich und am Sonnabend kommt zu besten Sendezeit nur Schrott.

Bleiben wir beim Fernsehen der 90er. Neben Filmen (es wurden nicht alle paar Monate die gleichen Filme gezeigt, die Auswahl war damals wirklich größer), waren diese Zeiten auch die Zeiten der Spielshows, wo jeder mitraten konnte und die Kandidaten noch Menschen wie du und ich waren. Heute: A-Z-Promis, die gegeneinander für was auch immer spielen. Echte Kandidaten gibt es schon lange nicht mehr.

Zu jener Zeit gab es noch keine Castingshows, wo halbe Kinder versuchten, enttäuschend einer Juri gegenüber ihr Talent beleidigen zu lassen. Damals warteten wir bei Musiksendungen mit Künstlern die noch live gesungen haben, einen Monat. Da saßen keine Promis vor ner blauen oder grünen Wand und erzählten uns von ihren Erinnerungen. Serien liefen einmal in der Woche. Da war es eine Freude, aus die nächste Folge zu warten um zu wissen, wie es weitergeht. Heute: Dank Youtube, Netflix und Co ist alles immer und überall greifbar.



Verabredet wurde sich über das Ding namens Telefon, in dere Schule oder den direkten Weg zur Wohnung/zum Haus, wo eine Klingel betätigt wurde. Kontakte, die weiter entfernt waren, hielt man mit Telefonaten oder Briefen und Postkarten. Damals wurde noch die Hand eingesetzt, um mit einem Stift Wort für Wort auf ein Papier zu bringen. Dann wurde dieser Zettel verpackt, eine Briefmarke kam auf das Verpackungsmaterial und dann wurde dieser Brief in einen eigens dafür vorgesehenen Behälter verbracht. Einige Tage/Wochen später, kam dann eine Reaktion, die im Briefkasten landete. So verlief Kommunikation in den 90ern.

Wer einen Computer besaß, war in den 90ern schon etwas besonderes. Was hat sich im Vergleich zu heute geändert. Nichts. Wer heute noch einen Computer besitzt, ist was besonderes. In Zeiten der Digitalisierung wurden aus vielen Geräten eins. Während wir in den 90ern mit einem tragbaren Kassettenabspielgerät oder gar einen tragbaren CD-Player zufrieden waren, eine analoge, meist einfache, Kamera für Bilder verwendeten, die Fotoentwicklung war zu jener Zeit eine Vorfreude und Bangen, ob die Bilder gut oder überhaupt was geworden sind. Wer eine Spielekonsole besaß, konnte diese nicht mal schnell mitnehmen. Diese wurde noch ganz altertümlich an einen Fernseher angeschlossen. Der Computer hatte einen festen Stammplatz und wurde meist nur für wichtige Sachen, wie mal einen Brief schreiben, eingeschaltet.

Wenn ich daran denke, wie viel Zeit wir als Kinder und Jugendliche an der frischen Luft verbracht haben, und uns beschäftigen konnten, ohne das uns langweilig wurde, und mit beschäftigen meine ich nicht, Kreativität an Wandgestaltung oder schauen, was passiert, wenn ich zündel, nein, wir saßen draußen, bis zum Dunkelwerden oder haben uns Spiele gespielt. Da war das Mittagessen eine lästige Unterbrechung, die wir hinnahmen und es kaum erwarten konnten, wieder an die frische Luft zu gehen.

Freundschaften wurden damals eben noch persönlich gepflegt. Heute haben einige Menschen bei Facebook tausende "Freunde". Kennen sie die alle persönlich? Da bleibt ja dann keine Zeit mehr für andere Dinge.



Schule. Gehasst, als sie noch aktuell war, geliebt, als sie vorbei war und vermisst, als es ins Berufsleben ging. Zur damaligen Zeit gab es keine Diskussionen, das 7:30 Uhr zu früh ist fürs Lernen. Heute ist selbst 8 Uhr noch zu früh. Und gebt mal einem Kind der heutigen Zeit ein Nachschlagewerk, beispielsweise ein Wörterbuch. Was wird wohl passieren? Die erste Aussage: "Brauch ich nicht, ich hab ne App und Autokorrektur." Aber mal ganz ehrlich. Für den Fall der Fälle, all diese Technik versagt, dann stehen die Jugendlichen von heute da und laufen Amok. Influencer könnten nicht mehr ihre "wichtigen" Probleme und Anliegen verbreiten. Facebook würde plötzlich nicht mehr funktionieren, Chaten wäre nicht mehr möglich, die Welt würde zusammenbrechen. Und das nur, weil wir uns von diesen Dingen abhängig machen, die es vor dreißig Jahren noch nicht gab und liebe Kinder, wir haben es überlebt.

Warum ich das hier schreibe. Es gibt Konzerne, dazu gehört auch Facebook, die mit ihrer "Vielfalt" versuchen ein Monopol zu errichten. Sei es mit Seiten, Videos, Gruppen, Marktplatz und und und. Doch wenn wir alle nur das eine Medium nutzen, verschwindet die Vielfalt, die wir uns in den letzten Jahrtausenden aufgebaut haben. Vielfalt auch mit Beginn des Internets. Was gab es in den 2000ern noch für Foren, in denen man sich mit Gleichgesinnten unterhalten hat, wo es keine Influencer gab, die Meinungsbildend waren und selbstdarstellerisch zeigen wie schön sie es haben, ihre Follower aber nicht. Anfang der 2000er suchten wir noch selbst im Internet nach Angeboten und Webseiten. Heute übernehmen große "Vergleichsportale" die Suche und bieten uns den "günstigsten Tarif", oder doch eher, der der am meisten zahlt wird oben gelistet.

Mein Fazit: Die Digitalisierung hat Vorteile, jedoch viele Nachteile. Die Vorteile: Alles geht ein bisschen schneller, die Nachteile: Der Mensch an sich bleibt auf der Strecke. Heute wird per Knopfdruck entschieden, wer dein Freund ist und wer nicht. Ein Klick und du bist wer, ein weiterer und du bist raus. Heute bist du wer, morgen erinnert sich keiner mehr an dich. Heute, mit 18 Millionär, als Influencer, morgen stehst du da, deine Kohle ist verprasst und den richtigen Lebensweg hast du verpasst. Die Anonymisierung des Menschen, der hinter jedem einzelnen digitalen Gerät sitzt, macht es heute für denjenigen leichter, zum „Hater“, „Mobber“ und „Attentäter“ zu werden. Nur weil wir uns verstecken und Dinge schreiben, die wir in Angesicht zu Angesicht nicht mal erträumen, geschweige denn würden.

Heute kann jeder etwas tun, damit die Welt, in der es heute nur noch hektisch zu geht, sich ändert. Punkt eins wäre: Schalte mal ab. Auch ohne Smartphone lebst du tatsächlich weiter und ja, es gibt auch einen Morgen nach dem Abschalten. Punkt zwei, sich an Dingen erfreuen. Wer mal nachts zum Himmel schaut, wird da oben was leuchten sehen. Und nein, es sind nicht die Smartphone-Pixel es sind reale Sterne und mit Glück der Mond. Wer nicht nach versteckten Pokemons sucht, wird vielleicht beim Gang durch die Welt Blumen erblühen sehen, Bäume, die, gerade jetzt im Frühjahr, erblühen oder den Duft wahrnehmen, der in der Frühlingsluft liegt.

Vielleicht gehen manche, die Offline-gehen, sogar mal ins reale Leben und knüpfen und pflegen Kontakte mit Menschen, die real sind und nicht tausende Kilometer entfernt (noch nicht einmal persönlich kennengelernte Menschen). Mag sein, wir hatten in den 90ern nicht die Vielfalt an Fernsehen oder anderen medialen Errungenschaften. Aber eines hatten wir. Ein Leben, das deutlich entschleunigter war, als das heutige Leben.

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